Suche:


Vernissage am 11. Juli 2018

Kunst im Gespräch: Vor dem Neckartailfinger Rathaus gibt es wieder einen Tanzboden




Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Nürtinger Zeitung

Bericht von Gerlinde Ehehalt

NECKARTAILFINGEN. Bürgermeister Gerhard Gertitschke und Kunstdozent Michael Gompf eröffneten am Mittwochabend die Ausstellung „Tanzboden“ auf dem Rathausplatz in Neckartailfingen. Die Veranstaltung nennt sich „Kunst im Gespräch“ und wird schon seit 16 Jahren in Kooperation zwischen der Gemeinde und der Hochschule für Kunsttherapie (HKT) organisiert.

Die drei schwarzen Metallfiguren in Silhouettenform räkeln sich in tänzerischen Posen auf einem großen Tanzpodest vor dem Rathaus und ziehen sofort alle Blicke auf sich. Man hat das Gefühl, sie laden die Passanten zu einem Tänzchen ein.

Das sei gewollt, betonte Kerstin Baer, die diese Tänzer kreierte. „Hier wird der Maibaum errichtet und es kommen viele Leute vorbei“, sagt die Künstlerin, die an der Hochschule für Kunsttherapie in Nürtingen studiert, aber seit 20 Jahren in München lebt.

In Bayern werde das Brauchtum mit Tanzveranstaltungen bei den Festen noch viel mehr gepflegt, sagte Baer und verriet, sie habe sich durch die Ausstrahlung des Rathausplatzes zu diesem Kunstobjekt inspirieren lassen. „Die Skulpturen sollen beachtet werden und die Menschen zum Mittanzen einladen“, so Kerstin Baer. „Vielleicht trauen sich manche ja sogar zu tanzen oder sie posieren für Fotos auf dem Tanzboden.“

Die Gestalten aus schwarz lackiertem Stahl bilden für Baer durch ihre Ästhetik aber auch einen deutlichen Kontrast zur Alltagsszenerie dieses Ortes und regen zu Gesprächen an.

Damit sei das Ziel der Veranstaltungsreihe „Kunst im Gespräch“ auch beim 17. Mal voll erreicht, sagte Bürgermeister Gerhard Gertitschke bei der Begrüßung der Vernissagengäste. Man wolle den Rathausplatz beleben und gleichzeitig bei den Bürgern einen interaktiven Austausch über Kunst anstoßen. „Gleich bei Aufstellung der Figuren am Dienstag vor der Vernissage ergaben sich interessante Gespräche über die Formation der Tänzer und den Tanzboden“, verriet der Bürgermeister. Manche fragten, ob man die Figuren nach dem Abbau kaufen könne. Bei der Umsetzung des metallenen Kunstwerks wurden die Gemeinde und die HKT von der Firma Daldrop sehr tatkräftig unterstützt. Die örtlichen Bauhofmitarbeiter errichteten den Tanzboden.

Außerdem erfuhr Gerhard Gertitschke von älteren Mitbürgern, dass die Ausstellung sogar einen ganz realen Bezug zu Neckartailfingen habe. „In den 50er-Jahren gab es im Ort tatsächlich einen Tanzboden aus Beton, auf dem die jungen Leute Tanzschritte einstudierten“, erzählte der Schultes und freute sich, dass Kerstin Baer mit ihrer Darstellung direkt ins Schwarze getroffen hat. „Ihr Entwurf für ,Kunst im Gespräch‘ wurde in einem internen Wettbewerb unter fünf Vorschlägen an der Hochschule für Kunsttherapie ausgewählt und soll als ,partizipatives‘ Objekt verstanden werden“, erläuterte Michael Gompf, Kunstdozent und Projektleiter an der HKT. „Das heißt, man darf drauf tanzen“, schmunzelte er. Vielleicht zu Musik vom Smartphone oder zu eigener Musik? Kerstin Baer habe den Bezug zu Neckartailfingen in seiner Tiefe zunächst nicht gekannt, aber erahnt und dann eine Möglichkeit erschaffen, die diesen Platz getreu der alten Tradition belebe und bespiele.

„Warum sollen die Leute nicht hier auf dem Platz tanzen und damit zu einem Teil dieser künstlerischen Arbeit werden?“, fragte Gompf. Gleichzeitig hoffte er schmunzelnd, dass seine Ehefrau ihn nicht beim Wort nehme und er womöglich sogleich für ein Tänzchen auf dem Terrain zwangsverpflichtet werde. So erinnerte der Kunstdozent lieber schnell an die vielen unterschiedlichen Objekte, die während der 16 Jahre im Rahmen der beliebten Veranstaltungsreihe „Kunst im Gespräch“ in Neckartailfingen entstanden sind.

„Die Arbeiten hatten stets unterschiedliche Aspekte, betonten jedoch immer den künstlerischen Ansatz und den Bezug zur Gemeinde“, lobte Michael Gompf.